Die Spitze im grössten Automobilmarkt der Welt hat erneut den Besitzer gewechselt. In den ersten beiden Monaten 2026 hat Volkswagen in China wieder Rang eins bei den Verkäufen übernommen und BYD damit abermals überholt. Der Hersteller, der die Deutschen 2024 vom Thron gestossen und 2025 durchgehend geführt hatte, rutschte auf Platz 4 ab. Damit erobert Volkswagen eine Position zurück, die der Konzern drei Jahrzehnte lang innehatte - von 1993 bis 2023.
Das Jahr hat gerade erst begonnen, dennoch geben die Zahlen für Januar und Februar bereits eine Richtung vor. Auswertungen der China Passenger Car Association (CPCA) deuten auf eine spürbare Verschiebung im Marktgefüge hin. Diese Verschiebung hat einen zentralen Treiber: das Auslaufen von Kaufanreizen für Elektroautos.
Die chinesische Regierung hat begonnen, einen Teil jener Förderungen zurückzufahren, die über Jahre hinweg den Absatz von Elektrofahrzeugen in dem - absolut betrachtet - weltweit grössten Markt befeuert haben.
Nach mehreren Warnsignalen im Jahr 2025 wirkt es so, als wolle Peking die chinesische Autoindustrie wieder stärker ausbalancieren. Das deutlichste Signal kam im vergangenen Sommer, als Chinas Präsident Xi Jinping die Ausrichtung öffentlich kritisierte. Er sprach über künstliche Intelligenz und Halbleiter - doch die Botschaft wurde allgemein so verstanden: Im Automobilsektor müssen die internen Grabenkämpfe und Preisschlachten ein Ende haben.
„Die übliche Art, Leistung zu bewerten, indem man nur darauf schaut, wie stark das BIP gewachsen ist oder wie viele grosse Projekte gestartet wurden, reicht nicht mehr. Wir müssen auch fragen: Wie viele Schulden wurden aufgenommen?“
Xi Jinping, Präsident der Volksrepublik China
In diesem Auf und Ab lassen sich vorerst zwei klare Gewinner ausmachen: Volkswagen, das bei den Verkäufen führt, und Toyota, das derzeit auf Rang drei liegt. Der Verlierer ist BYD, inzwischen nur noch Vierter. Gleichzeitig gilt: Es sind erst die ersten Monate des Jahres - und der „chinesische Gigant“ schläft nicht.
Volkswagen-Strategie oder Marktreaktion?
Volkswagens chinesische Joint Ventures - mit FAW und SAIC - kamen zwischen Januar und Februar zusammen auf 13,9% Marktanteil bei Pkw. Mit diesem Wert steht der deutsche Konzern wieder an der Spitze in einem Markt, in dem er in den vergangenen Jahren gegenüber lokalen, stark auf Elektroautos fokussierten Herstellern an Boden verloren hatte.
Unmittelbar dahinter folgt Geely mit 13,8%. Toyota belegt - über die Kooperationen mit GAC und FAW - Platz drei mit 7,8%.
Wie stark sich hier bereits der von Volkswagen 2025 vorgestellte Plan zur Rückeroberung der Führung in China bemerkbar macht, lässt sich noch nicht abschliessend beurteilen - zumal sogar ein neuer Verbrennungsmotor in Vorbereitung sein soll. Vorerst wirkt die Entwicklung eher wie eine normale Marktantwort auf den Wegfall einzelner Förderungen, die erfahrungsgemäss sowohl Angebot als auch Nachfrage verzerren.
BYD rutscht in der Rangliste ab
Die grösste Überraschung zu Jahresbeginn ist der Absturz von BYD auf Rang vier. Der chinesische Hersteller, der 2024 an Volkswagen vorbeizog und damit zum grössten Autobauer Chinas - sowie zum weltweit grössten Hersteller von Elektroautos - wurde, erreichte in den ersten zwei Monaten 2026 in China nur noch 7,1% Marktanteil. Das entspricht 30% weniger als 2025. Es ist der stärkste Absatzrückgang der Marke seit der Pandemiezeit.
Laut Cui Dongshu, Generalsekretär der CPCA, gewinnen klassische Hybride - ein Feld, das seit jeher besonders gut zu Toyota passt, das dadurch in die Top 3 kletterte - Käufer zurück, die zuvor eher zu Plug-in-Hybriden oder reinen Elektroautos gegriffen hätten.
Gleichzeitig zählen chinesische Hersteller, die besonders stark von günstigen Elektro-Modellen abhängen, zu denjenigen, die vom Abbau staatlicher Anreize am härtesten getroffen werden. Zur Erinnerung: Das Kernsegment des chinesischen Marktes waren zuletzt Elektroautos unter 10.000 Euro.
Sinkt, aber schläft nicht
BYD hat auf die schwächeren Verkaufszahlen bereits reagiert. In der vergangenen Woche stellte der Konzern das erste grosse Update seiner bekannten Blade Battery vor, die nun in die zweite Generation geht. Die Energiedichte wurde um 5% erhöht, die Ladezeiten wurden verbessert, und ausserdem wird eine Kostensenkung in Aussicht gestellt.
Parallel dazu verschärft Volkswagen in China seine Elektro-Strategie. Der deutsche Hersteller hat jüngst in Hefei die Serienproduktion des ersten Modells gestartet, das gemeinsam mit XPeng entwickelt wurde.
Nach Angaben von Volkswagen sollen noch in diesem Jahr mehr als 20 neue Elektro-Modelle für den chinesischen Markt auf den Markt kommen.
Eine neue Phase im grössten Weltmarkt
Die Zahlen der ersten Monate legen nahe, dass der chinesische Automarkt in eine neue Etappe eintritt. Nach mehreren Jahren, die von Preiskämpfen geprägt waren - BYD-Vizepräsidentin Stella Li sprach von einem „Blutbad“ - und zugleich von massiver staatlicher Einflussnahme zur Beschleunigung der Elektrifizierung, scheint sich der Sektor in Richtung Stabilisierung zu bewegen. In einem solchen Umfeld könnten Produktpositionierung und industriepolitische Strategie wieder stärker ins Gewicht fallen als Subventionen.
In diesem neuen Gleichgewicht wirken die etablierten Hersteller entschlossen, verlorenes Terrain zurückzugewinnen. Mercedes-Benz hat ebenfalls bereits einen Aufholplan angestossen, und Porsche scheint angesichts der schwachen Ergebnisse der vergangenen zwei Jahre kaum eine Alternative zu haben.
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