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Calathea: die Zimmerpflanze, die Feuchtigkeit aus der Luft zieht

Grüne Zimmerpflanze im grauen Topf auf Holztisch mit Glas Wasser und digitalem Thermometer im hellen Wohnzimmer.

Wer in einer feuchten Altbauwohnung wohnt, ein innenliegendes Bad hat oder in einer Küche ohne gute Lüftung kocht, kennt die typischen Begleiterscheinungen: Kondenswasser am Fenster, dunkle Punkte in den Fugen und dieser dauerhaft klamme Geruch. Bevor Luftentfeuchter, Chemie oder eine teure Sanierung überhaupt Thema werden, lohnt sich ein überraschend einfacher Ansatz: sorgfältig ausgewählte Zimmerpflanzen, die Feuchtigkeit aus der Luft aufnehmen und gleichzeitig die Raumluft verbessern.

Die unterschätzte Feuchtigkeitsbremse: calathea

Im Mittelpunkt steht eine Pflanze, die im Gartencenter oft eher unauffällig wirkt, beim Thema Luftfeuchte aber echte Stärken zeigt: die Calathea, im Handel häufig auch als Pfeilwurz oder Korbmarante zu finden. Ursprünglich wächst sie in den tropischen Regenwäldern Südamerikas – dort ist die Luftfeuchtigkeit dauerhaft hoch, und das Licht erreicht die Pflanzen nur gefiltert durch das dichte Blätterdach.

Gerade weil sie genau solche Bedingungen gewohnt ist, passt sie hervorragend in typische Problemzonen der Wohnung – zum Beispiel ins Bad ohne Fenster oder in eine eher schattige Küche, in der regelmäßig Wasserdampf entsteht.

Die Calathea nimmt mit ihren großen, dünnen Blättern Feuchtigkeit direkt aus der Raumluft auf und hilft so, das Klima spürbar auszugleichen.

Warum sie Pothos und Orchideen übertrifft

Bei feuchten Räumen setzen viele zunächst auf klassische Zimmerpflanzen wie die Efeutute (Pothos) oder Orchideen. Auch diese Pflanzen können Luftfeuchtigkeit binden, allerdings sind sie in puncto Standort und Pflege oft heikler.

  • Lichtbedarf: Orchideen bevorzugen sehr helle Plätze, während die Calathea selbst mit Halbschatten und erstaunlich dunklen Ecken gut zurechtkommt.
  • Feuchtigkeit: Pothos kommt mit dauerhaft nassen Wurzeln und feuchten Blättern schlecht klar; die Calathea dagegen fühlt sich in einem feuchteren Umfeld richtig wohl.
  • Blattfläche: Durch ihre breiten Blätter bietet die Calathea besonders viel Oberfläche, an der sich Feuchtigkeit aus der Luft absetzen kann.

Genau diese Mischung aus Schattentoleranz und großer Blattoberfläche sorgt dafür, dass sie in vielen Wohnungen schlicht zuverlässiger funktioniert als die üblichen Alternativen.

So hilft die calathea gegen feuchte Räume

Über die sogenannte Transpiration beeinflussen Pflanzen den Wasserhaushalt in ihrer Umgebung. Sie nehmen über die Wurzeln Wasser aus der Erde auf, leiten es in die Blätter und geben es von dort wieder an die Luft ab – oder speichern einen Teil im Pflanzengewebe. In sehr feuchten Räumen kann sich dieser Effekt umkehren: Dann wirkt die Pflanze eher wie ein Schwamm und nimmt überschüssige Feuchtigkeit aus der Raumluft auf.

Besonders spürbar ist das bei Räumen, in denen die Luftfeuchtigkeit immer wieder stark ansteigt und abfällt – etwa nach heißem Duschen oder beim häufigen Kochen.

Die besten Standorte in der Wohnung

  • Bad: auf einem Regal neben der Dusche oder auf der Fensterbank – ideal, wenn regelmäßig Wasserdampf entsteht.
  • Küche: nahe bei Herd oder Spüle, aber nicht direkt über dem Kochfeld.
  • Schlafzimmer: in Bereichen, in denen sich sonst schnell Kondenswasser an Außenwänden bildet.
  • Flur: vor allem dann, wenn es dort kühl ist und die Luft schlecht zirkuliert.

Entscheidend ist ein eher warmer Standort. Unter 18 Grad fühlt sich die Calathea nicht mehr wohl, und dauerhaft kalte Zugluft setzt ihr deutlich zu.

Pflegeleichter als ihr Ruf: so bleibt die calathea gesund

So exotisch sie aussieht: Die Calathea ist keine „Diva“. Wer ein paar Grundlagen beachtet, kommt mit ihr sehr verlässlich zurecht – und kleinere Pflegefehler verzeiht sie meist.

  • Gießen: Das Substrat gleichmäßig feucht halten, Staunässe jedoch vermeiden. Ein kurzer Zeitraum, in dem die Erde etwas abtrocknet, ist unproblematisch – sie geht nicht sofort ein.
  • Licht: hell bis halbschattig, aber ohne direkte, pralle Sonne. In sehr dunklen Ecken besser ein Stück näher an Tür oder Fenster stellen.
  • Temperatur: optimal sind 20 bis 24 Grad. Heizkörper direkt darunter besser vermeiden, weil die Luft dort zu heiß und zu trocken wird.
  • Luftfeuchte: hohe Luftfeuchtigkeit ist kein Nachteil, sondern entspricht ihrem natürlichen Lebensraum.

Wer seine Calathea in einem warmen, leicht feuchten Raum platziert und gleichmäßig gießt, bekommt eine robuste Verbündete gegen stickige, nasse Luft.

Weitere Zimmerpflanzen, die Feuchtigkeit aus der Luft ziehen

Die Calathea ist nicht die einzige Option. Wer mehrere Räume verbessern möchte, kann ein kleines „Entfeuchter-Team“ aus unterschiedlichen Arten zusammenstellen. Vier Pflanzen fallen dabei besonders auf:

Pflanze Besonderheit Geeigneter Raum
Spathiphyllum (Einblatt) gilt als luftreinigend und mag feuchtes Substrat Bad, Schlafzimmer
Chlorophytum comosum (Grünlilie) sehr robust und bildet viele Ableger Küche, Kinderzimmer
Aglaonema kommt mit wenig Licht aus und verträgt hohe Luftfeuchte Flur, dunkle Ecken
Bambuspalme sorgt für tropisches Flair und hat viel Blattmasse Wohnzimmer, Wintergarten

Schon eine Kombination aus Calathea, Einblatt und Grünlilie kann mehrere Problemzonen merklich entspannen, ohne dass der Raum gleich wie ein Dschungel wirkt.

Was Pflanzen leisten – und was nicht

Zimmerpflanzen sind kein Ersatz für konsequentes Lüften. Bei starker Durchfeuchtung, nassen Wänden oder bereits ausgeprägtem Schimmelbefall hilft auch der größte Pflanzendschungel nicht weiter. Was Pflanzen jedoch schaffen können: die Spitzen der Luftfeuchte abzufangen – also genau die Phasen, in denen sonst schnell Kondenswasser an kalten Stellen entsteht.

Als Faustregel gilt: Pro 10 bis 15 Quadratmeter Raumfläche sollten ein bis zwei kräftige Pflanzen eingeplant werden. In sehr feuchten Bädern kann es gern eine zusätzliche sein.

Praxisbeispiele: so nutzen Mieter und Eigentümer die calathea

In einem innenliegenden Bad ohne Fenster kann eine Calathea auf einem Regal über der Toilette spürbar unterstützen. Nach dem Duschen sammelt sich weniger Feuchtigkeit an kalten Flächen, der Spiegel wird etwas schneller wieder klar, und der typische „Nasszellen-Geruch“ ist weniger ausgeprägt.

In Mietwohnungen mit schlecht gedämmten Außenwänden spielt die Pflanze ihre Vorteile besonders in jenen Ecken aus, in denen sich gern Schimmel anbahnt. Dort nimmt sie überschüssige Luftfeuchte auf und bildet mit ihrem dichten Blattwerk eine kleine Pufferzone zwischen kalter Wand und Raumluft.

Risiken und Grenzen – worauf Sie achten sollten

Wer auf Pflanzen als Unterstützung setzt, sollte einige Punkte berücksichtigen:

  • Schimmel im Topf: Wenn der Topf dauerhaft im Wasser steht, kann das Substrat schimmeln. Überschüssiges Gießwasser daher nach ein paar Minuten aus dem Übertopf abgießen.
  • Allergien: Manche Menschen reagieren empfindlich auf Sporen aus dem Pflanzsubstrat. Bei Atemwegsproblemen besser hochwertige Erde verwenden und nicht zu viel gießen.
  • Haustiere: Einige Arten gelten für Katzen oder Hunde als leicht giftig. Vor dem Kauf kurz prüfen, ob die ausgewählte Sorte unbedenklich ist.

Wenn diese Punkte beachtet werden, sind Calathea und ihre „Kollegen“ ein günstiges und zugleich dekoratives Hilfsmittel. Gerade bei steigenden Heizkosten, wenn viele seltener lüften oder kühlere Räume akzeptieren, gewinnen solche natürlichen Lösungen an Gewicht.

In Kombination mit kurzen Stoßlüftungen, einem Hygrometer zur Kontrolle der Luftfeuchte und sinnvoller Möblierung – also keine Schränke direkt an kalte Außenwände – entsteht ein deutlich angenehmeres Raumklima, ohne dass sofort Handwerker oder teure Geräte nötig sind. So wird die unscheinbare Calathea für viele zum heimlichen Star im Kampf gegen zu viel Nässe in den eigenen vier Wänden.


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