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Horse Technologies startet die Serienproduktion des HR12 LPG MHEV

Weißer Renault SUV mit orange Akzenten steht in einem hellen Autohaus neben einer grünen Ladestation.

Horse Technologies, ein 2023 gegründetes Joint Venture von Renault und Geely, hat die Fertigung des HR12 LPG MHEV aufgenommen – eines Motors, der im Bereich der bivalenten Antriebe (Benzin und LPG/Autogas) neue Akzente setzen soll.

Dabei handelt es sich um den weltweit ersten in Serie produzierten Motor mit LPG-Direkteinspritzung, kombiniert mit einem 48-V-Mild-Hybrid-System. Technisch basiert er auf dem bekannten, aufgeladenen 1,2-Liter-Reihendreizylinder, der unter anderem im Hybridantrieb des Renault Austral eingesetzt wird.

Produziert wird der neue HR12 bereits in Mioveni (Rumänien), in einem Werk mit einer Kapazität von 450 000 Einheiten pro Jahr. Als erstes Modell setzt der Dacia Bigster auf diesen Antrieb; für Portugal stehen die Preise bereits fest: Mit dieser Motorisierung startet das SUV bei 24 544 Euro und wird damit zur neuen Einstiegsvariante.

Was ihn von anderen LPG-Motoren unterscheidet

Bislang arbeiten fast alle bivalenten Benzin-/LPG-Fahrzeuge mit Saugrohreinspritzung (indirekter Einspritzung). Dabei wird der Kraftstoff vor dem Eintritt in den Zylinder verdampft.

Der HR12 LPG geht einen anderen Weg: Er nutzt eine Direkteinspritzung in flüssiger Phase, bei der das LPG unmittelbar in den Brennraum eingespritzt und dort fein zerstäubt wird. Dafür entwickelte Horse einen elektronischen Verdampfer und verstärkte Bauteile wie Ventile und Ventilsitze, um die erforderliche Haltbarkeit sicherzustellen.

In der Praxis bedeutet das: eine präzisere Verbrennung, höhere Effizienz, geringerer Verbrauch und weniger Emissionen – und zugleich ein spontaneres Ansprechverhalten. Zusätzlich wirkt das Verdampfen des LPG im Zylinder kühlend („charge cooling“), senkt die Klopfneigung und ermöglicht so, mehr Leistung aus dem Gesamtsystem herauszuholen.

Mehr Leistung, weniger Emissionen

Die Daten unterstreichen den Unterschied: Der HR12 LPG leistet 140 PS bei 5500 rpm und stellt 230 Nm ab 2100 rpm bereit. Damit liegt er klar über dem 1.0 TCe ECO-G (HR10), der in mehreren aktuellen Renault- und Dacia-Modellen verbaut ist und 100 PS sowie 170 Nm bietet.

Im LPG-Betrieb lassen sich die CO₂-Emissionen um rund 9 % gegenüber dem reinen Benzinbetrieb reduzieren. Der Motor erfüllt bereits Euro 6e und wurde so ausgelegt, dass er die Anforderungen der künftigen Euro 7 adressieren kann.

Zum Konzept gehört ausserdem das 48-V-Mild-Hybrid-System – eine besonders leichte Form der Elektrifizierung. Es nutzt einen riemengetriebenen elektrischen Startergenerator, senkt Verbrauch und Emissionen weiter und sorgt insbesondere im Stadtverkehr für ein geschmeidigeres Start&Stop-Verhalten.

Portugal als Markt mit Potenzial

Für Portugal ist diese Einführung besonders interessant. LPG bleibt dort eine der preisgünstigeren Kraftstoffoptionen, mit einem Durchschnittspreis von 0,86 €/l im zweiten Quartal 2025 – deutlich unter dem Benzinpreis.

Hinzu kommt eine gut ausgebaute Infrastruktur: Landesweit sind mehr als 250 aktive Tankstellen verfügbar. Obwohl LPG nur rund 1,2 % des portugiesischen Fahrzeugbestands ausmacht, gilt es weiterhin als kosteneffiziente Wahl. In Kombination mit Hybridtechnik könnte LPG zusätzlich an Attraktivität gewinnen – sowohl für Privatkundinnen und -kunden als auch für Flotten, die auf niedrige Betriebskosten achten.

Welche Modelle bekommen diesen Motor?

Das erste Fahrzeug ist bereits bekannt: Bestellungen für den Dacia Bigster mild hybrid-G 140 haben in Portugal zu Beginn des Sommers begonnen, die Preise starten bei 24 544 Euro. Markentypisch ist die LPG-Version sogar 900 Euro günstiger als der mild hybrid 140, der denselben Motor nutzt, jedoch ausschliesslich mit Benzin betrieben wird.

Weitere Modelle mit HR12 LPG MHEV wurden bislang nicht offiziell bestätigt. Naheliegend ist aber ein Einsatz in weiteren Dacia-Baureihen – etwa im Jogger (der kurz vor einer Überarbeitung steht) und im Duster. Bei Renault steht zudem die Enthüllung der sechsten Clio-Generation bevor; es wäre nicht überraschend, wenn dieser neue Motor künftig auch dort Teil des Angebots wird.

Die globalen Pläne von Horse Technologies eröffnen ausserdem die Perspektive, den bivalenten Antrieb auch bei anderen Marken zu sehen – beispielsweise bei Nissan und Mitsubishi (die weiterhin zur Allianz mit Renault gehören) oder darüber hinaus.

Horse ist heute für die Entwicklung und Produktion von Hybrid- und Verbrennerantrieben sowie Getrieben für die Renault Group und Geely verantwortlich, will seine Technik aber ebenso an weitere Hersteller weltweit liefern. Ein Beispiel dafür: Horse produziert den neuen M 252 von Mercedes-Benz.

Die Rolle Rumäniens

Dass die Produktion des HR12 LPG MHEV in Mioveni (Rumänien) stattfindet, ist kein Zufall. Der Standort verfügt über langjährige Erfahrung mit Dreizylindermotoren: Neben dem HR12 als Benzinmotor wird dort auch der 1.0 TCe (HR10) gebaut – inklusive der LPG-Variante. Nun rückt das Werk ins Zentrum der globalen Horse-Strategie, weil es als erstes in grossem Umfang einen LPG-Motor mit Direkteinspritzung fertigt.

In einer Phase, in der die Elektrifizierung die Autoindustrie prägt, zeigt ein LPG-Direkteinspritzer, dass es auch bei Verbrennungsmotoren noch Raum für relevante Weiterentwicklungen gibt.

Der HR12 LPG vereint dabei eine seltene Kombination: niedrigere Kosten, geringere Emissionen und eine Technologie, die auf die kommenden Umweltanforderungen vorbereitet ist.

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