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Asiatische Hornisse: Wie Imker mit Funktechnik und Thermokamera Nester finden

Imker im Schutzanzug hält große Wespe neben Bienenstock im Sonnenlicht im Garten.

Asiatische Hornissen setzen Imkerinnen und Imker in Deutschland und Europa immer stärker unter Druck. Die Tiere attackieren Honigbienen gezielt, schwächen ganze Völker und gefährden damit indirekt auch die Bestäubung von Obstbäumen und Wildpflanzen. Im Elsass demonstriert ein Imker, wie sich die Insekteninvasion mit moderner Technik eindämmen lässt – mit Vorgehensweisen, die eher an Spurensuche und Ortung erinnern als an klassische Imkerei.

Warum die asiatische Hornisse so gefährlich für Bienen ist

Die asiatische Hornisse gilt als Schrecken vieler Bienenstände, weil sie nicht zufällig jagt, sondern systematisch vorgeht. Arbeiterinnen positionieren sich direkt vor den Fluglöchern der Beuten, bleiben im Schwebeflug und warten, bis eine Honigbiene ein- oder ausfliegt.

Kommt es zum Zugriff, ist das Ergebnis für die Biene meist tödlich: Der Kopf wird abgetrennt, der Hinterleib häufig liegengelassen. Den eiweißreichen Brustkorb trägt die Hornisse als Nahrung in ihr Nest, um damit die Brut zu versorgen. Auf diese Weise kann schon eine einzelne Hornisse pro Tag Dutzende Bienen erbeuten.

Die ständige Belagerung vor der Beute führt dazu, dass Sammlerinnen kaum noch ausfliegen – das trifft ein Bienenvolk mitten ins Herz.

Mit der Zeit meiden viele Bienen den Ausflug. Dadurch werden deutlich weniger Nektar und Pollen eingetragen, und die Vorräte nehmen spürbar ab. Besonders problematisch ist das in Spätsommer und Herbst, wenn sich die Völker eigentlich für den Winter rüsten müssen. Reichen die Futterreserven nicht, kann ein Volk die kalte Jahreszeit nicht überstehen und im Winter zusammenbrechen.

Ein Imker rüstet auf: Funktechnik gegen Hornissen

Ein Imker im französischen Département Haut-Rhin, nahe der deutschen Grenze, wollte diese Entwicklung nicht hinnehmen. Anstatt sich darauf zu beschränken, Fallen aufzustellen oder Sichtungen zu melden, entwickelte er eine Methode, die dort ansetzt, wo der Bestand entsteht: am Nest der Hornissen.

Im Mittelpunkt steht dabei ein konkretes Ziel: das ursprüngliche, erste Nest zu finden, in dem die Königin nach dem Winter ihre ersten Arbeiterinnen aufzieht. Wird dieses sogenannte Primärnest zerstört, lässt sich die Entwicklung eines gesamten Hornissenstaates frühzeitig unterbrechen.

Mini-Sender auf der Hornisse

Die Idee dahinter ist erstaunlich einfach, aber effektiv umgesetzt. Zunächst fängt der Imker eine Hornisse in der Nähe seiner Beuten. Anschließend betäubt er das Tier kurz mit Gas, etwa aus einer kleinen Kartusche, damit es während des Anbringens ruhig bleibt.

Danach befestigt er auf dem Rücken des Insekts eine winzige Funk- bzw. Radioplatte. Die Sender sind so leicht konstruiert, dass die Hornisse weiterhin normal fliegen kann. Sobald das Tier wieder zu sich kommt, wird es freigelassen – und der Imker beginnt, dem Signal nachzugehen.

Mit einer Antenne, die an die Form eines Rasenrechens erinnert und mit einem Smartphone oder einem tragbaren Empfänger verbunden ist, ortet er das Funksignal. Je näher er der markierten Hornisse und damit dem Nest kommt, desto deutlicher fällt das akustische oder optische Signal aus.

Aus dem passiven Opfer wird der Jäger: Der Imker nutzt eine markierte Hornisse als lebende Spur zum Versteck des ganzen Staates.

Thermokamera zeigt das Nest

Für die sichere Lokalisierung im letzten Schritt ergänzt der Imker die Funkortung durch Wärmebildtechnik. Mit einem Fernglas, das Wärmequellen sichtbar macht, scannt er Sträucher, Hecken und Gebäude. Da in einem Hornissennest viele Tiere aktiv sind, ist es meist deutlich wärmer als seine Umgebung.

So kann das Nest auch dann gefunden werden, wenn es sehr gut verborgen liegt – etwa hoch in einem Baum oder in einem Nebengebäude. Nach dem Auffinden werden häufig die zuständigen Stellen oder spezialisierte Schädlingsbekämpfer informiert, die das Nest fachgerecht und kontrolliert entfernen.

Warum das erste Nest so entscheidend ist

Im Verlauf eines Jahres errichten asiatische Hornissen häufig zwei Nester. Im Frühjahr baut die Königin zunächst ein kleineres, geschütztes Primärnest, in dem anfangs nur wenige Arbeiterinnen schlüpfen. Wenn das Volk wächst, entsteht im Sommer ein deutlich größeres Sekundärnest, das Tausende Insekten beherbergen kann.

Vor allem dieses zweite Nest verursacht die größten Probleme. Von dort schwärmen sehr viele Arbeiterinnen aus – zu Bienenständen ebenso wie in Obstplantagen. Gegen ein derart starkes Vollvolk haben einzelne Imkerinnen und Imker kaum noch wirksame Mittel.

Wird dagegen früh das erste Nest entfernt, greift man an der Wurzel an: Die Königin geht zugrunde, und mit ihr die gesamte zukünftige Kolonie. Damit fehlen im weiteren Jahresverlauf Tausende Arbeiterinnen, die sonst Bienen und andere Insekten attackieren würden.

Jedes beseitigte Erstnest bedeutet im nächsten Jahr zehntausende Hornissen weniger – und deutlich ruhigere Bienenstände.

Aus der Praxis berichten Imker, dass nach dem Entfernen eines Primärnestes die Angriffe auf Beuten in der Umgebung nahezu schlagartig nachlassen. In Gegenden, in denen mehrere Nester früh entdeckt und beseitigt wurden, gehen die Völkerverluste teilweise deutlich zurück.

Was Imker und Gartenbesitzer gegen Hornissen tun können

Die Kombination aus Sender und Thermooptik ist aufwendig und für viele Hobbyimker kaum realistisch. Dennoch lassen sich mit einigen Grundregeln Risiko und Druck reduzieren.

  • Bienenstände möglichst sonnig und frei stellen, damit Hornissen im Schwebeflug weniger Deckung haben.
  • Bei starkem Hornissendruck die Fluglöcher verengen, sodass die Bienen besser verteidigen können.
  • Keine süßen Getränke, kein Fallobst und keine Futterreste direkt neben den Beuten liegen lassen.
  • Auffällige bzw. verdächtige Nester frühzeitig melden, zum Beispiel bei Gemeinde, Feuerwehr oder Naturschutzbehörden.
  • In der Region vernetzen, um Sichtungen und Funde schnell weiterzugeben.

In manchen Kommunen gibt es bereits eigene Meldestellen, die sich gezielt mit der asiatischen Hornisse befassen. Dort wird fachlich eingeschätzt, ob ein Nest entfernt werden sollte und wie das sicher durchgeführt werden kann. Privatpersonen sollten nicht selbst eingreifen: Die Tiere verteidigen ihr Nest sehr aggressiv, und eigenständige Bekämpfungsversuche sind gefährlich.

Wie sich die Ausbreitung auf Deutschland auswirkt

Ursprünglich stammt die asiatische Hornisse aus Ostasien und gelangte über internationalen Warenverkehr nach Europa. In Frankreich hat sie sich in den letzten Jahren stark ausgebreitet; mittlerweile liegen Nachweise aus vielen Regionen Deutschlands vor.

Die Art bevorzugt milde Gegenden, zeigt aber eine bemerkenswerte Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Lebensräume. Weinbaugebiete, Flusstäler und Städte bieten viele Nahrungsquellen und geeignete Nistmöglichkeiten. Dadurch steigt der Druck nicht nur auf Honigbienen, sondern auch auf Wildbienen und andere bestäubende Insekten.

Asiatische Hornisse Europäische Hornisse
kleiner, dunkler, gelbe Beinenden größer, mehr Gelb am Körper
stark auf Honigbienen als Beute ausgerichtet frisst vielfältige Insekten, weniger auf Bienen fixiert
Nester oft hoch in Bäumen, in Stadt und Land Nester häufig in Hohlräumen, etwa Dachböden

Gerade die Spezialisierung macht die asiatische Hornisse so heikel. Während die heimische Hornisse als Nützling gilt und zahlreiche Schadinsekten frisst, konzentriert sich die invasive Art besonders stark auf Honigbienenstände.

Chancen und Grenzen der Hightech-Jagd

Die beschriebene Vorgehensweise verdeutlicht, wie einfallsreich Imkerinnen und Imker inzwischen werden müssen, um ihre Völker zu schützen. Funktechnik, Thermokameras und genaue Ortung wirken eher wie Instrumente aus Wildtierforschung oder Überwachung als aus der Landwirtschaft.

Allerdings sind diese Verfahren kosten- und zeitintensiv und verlangen Erfahrung. Sie bieten sich daher vor allem in Regionen an, in denen der Druck besonders hoch ist oder viele Berufsimker tätig sind. Besonders sinnvoll kann der Ansatz werden, wenn mehrere Betriebe kooperieren und die Ausrüstung gemeinsam nutzen.

Unklar ist, wie schnell sich diese Technik weiterentwickelt. Vorstellbar wären noch leichtere Sender, automatische Empfangsstationen oder Apps, die Signale auswerten und Karten mit Verdachtsbereichen erstellen. In Verbindung mit Meldesystemen aus der Bevölkerung könnten Behörden dann rascher reagieren, wenn neue Problemzonen entstehen.

Parallel dazu stellen sich Naturschutzfragen. Invasive Arten müssen eingedämmt werden, zugleich darf die heimische Insektenwelt nicht durch pauschale Bekämpfungsaktionen leiden. Wer Nester meldet oder entfernen lässt, ist auf geschultes Personal angewiesen, das die Arten sicher unterscheiden kann.

Für Imker bleibt die asiatische Hornisse ein ernstes Dauerthema. Die spektakuläre Hightech-Suche nach Nestern kann helfen, ersetzt aber weder die tägliche Vorsorge am Bienenstand noch eine robuste Völkerführung oder die enge Zusammenarbeit mit Nachbarn, Gemeinden und Behörden. Entscheidend bleibt: Je früher ein Nest entdeckt wird, desto größer ist die Chance, Bienen und andere Bestäuber in der Region wirksam zu schützen.

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