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Volvo, Plug-in-Hybride und der XC70: Håkan Samuelsson verabschiedet sich vom 2030-Elektroplan

Weißer Volvo Elektro-SUV lädt an Ladestation in modernem, hellem Ausstellungsraum mit Pflanze im Hintergrund.

Håkan Samuelsson, CEO von Volvo, hatte die Marke vor einigen Jahren noch klar auf vollständige Elektrifizierung bis 2030 ausgerichtet – inzwischen wird dieser Kurs so nicht mehr umgesetzt. Gegenüber Automotive News Europe erklärte der Manager: „Wir brauchen eine zweite Generation von Plug-in-Hybriden, die uns bis zum Ende der 30er-Jahre dient.“

Warum Volvo die Vollelektrifizierung bis 2030 nicht mehr verfolgt

Nach Samuelssons Einschätzung wird Volvo Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor noch bis zum Ende der nächsten Dekade – also bis 2040 – im Programm und im Verkauf brauchen, vor allem wegen der Nachfrage. Aus seiner Sicht sollen die Kundinnen und Kunden selbst entscheiden, wann sie für den Wechsel zu 100% elektrischen Autos bereit sind: „Wir können das nicht aufzwingen.“

Für Samuelsson ist es bereits die zweite Amtszeit an der Spitze von Volvo. Er war es auch, der 2021 das Ziel ausgab, bis 2030 komplett elektrisch zu werden. Sein Nachfolger Jim Rowan stellte jedoch schon im vergangenen Jahr klar, dass dieses Vorhaben fallengelassen wird. An die Stelle trat ein pragmatischeres Ziel: 90% der Verkäufe sollen bis 2030 aus elektrifizierten Fahrzeugen bestehen (Elektroautos und Hybride).

Seit seiner Rückkehr an die Spitze des schwedischen Herstellers wirkt Samuelsson zurückhaltender als beim Abschied 2022. Er betont, dass die Akzeptanz von Elektroautos je nach Markt stark schwankt.

Daraus leitet Volvo nun eine Strategie ab, die Lebensdauer bestehender Plug-in-Hybrid-Modelle zu verlängern – sichtbar etwa an der Modellpflege des XC90 im vergangenen Jahr und des XC60 in diesem Jahr.

Volvo XC70: Fokus auf Plug-in-Hybride

Eigentlich war nicht vorgesehen, dass diese Baureihen so lange laufen – geschweige denn, dass sie eine neue Generation erhalten. Die aktuellen Hybridantriebe ermöglichen elektrische Reichweiten von etwa 70–80 km, doch Samuelsson strebt mehr an.

Die von ihm angekündigte zweite Generation der Plug-in-Hybride soll dem elektrischen Anteil deutlich mehr Gewicht geben – so wie beim neuen XC70 (Titelbild), der kürzlich vorgestellt wurde.

Der Plug-in-Hybrid-SUV ist primär für den chinesischen Markt konzipiert und verspricht 200 km elektrische Reichweite nach CTLC-Zyklus. Selbst wenn man diesen Wert auf den in Europa üblichen WLTP-Standard umrechnet, dürfte das Modell die elektrische Reichweite der aktuellen XC60- und XC90-Varianten voraussichtlich verdoppeln. Einen großen Anteil daran hat die sehr große Batterie mit 39,6 kWh.

Volvo hat bereits bestätigt, dass der XC70 auch nach Europa kommt – allerdings nicht kurzfristig. Auf die Frage nach einem Termin räumte Samuelsson ein, 2026 sei dafür früh. „Das wird einige Zeit dauern“, sagte er, und ergänzte, Volvos Ziel sei es, „ihn so schnell wie möglich nach Europa zu bringen“.

Zeitplan für Europa und technische Anpassungen

Den Zeitverlust begründet der Markenchef damit, dass das Infotainmentsystem des „chinesischen“ XC70 nicht einfach übernommen werden kann: In Europa setzt Volvo auf ein Google-basiertes System, das sich vom in China eingesetzten System unterscheidet. Darüber hinaus erfüllt der SUV in der aktuellen Form weder die europäischen Vorgaben zu Emissionen noch zu Sicherheit.

EREV in der Zukunft?

Während Plug-in-Hybride der zweiten Generation bei Volvo gesetzt sind, könnte der nächste Schritt laut Samuelsson die Einführung von Elektroautos mit Reichweitenverlängerer sein – sogenannte EREV –, wie er Automotive News Europe sagte.

Im Unterschied zu Plug-in-Hybriden sind EREV im Kern Elektrofahrzeuge, bei denen der Elektromotor der einzige Antrieb ist (also mit den Rädern verbunden). Der Verbrennungsmotor übernimmt ausschließlich die Rolle eines Stromgenerators. Als Beispiele für dieses Konzept gelten der Mazda MX-30 R-EV sowie der neue Leapmotor C10 REEV.

In China gewinnen EREV an Bedeutung und könnten auch für europäische Hersteller zum nächsten großen Thema werden – besonders in mittleren und oberen Segmenten, in denen Premium-Marken wie Volvo stark vertreten sind.

Wie schnell und wie stark sich diese Option durchsetzt, hängt jedoch wesentlich davon ab, was die Europäische Union zu den Emissionszielen für 2035 beschließt: Dann sollen die Grenzwerte auf 100% reduziert werden – mit der Folge, dass der Verkauf neuer Autos mit Verbrennungsmotor verboten wäre.

Die EU will die Regeln noch in diesem Jahr überprüfen. Branchenvertreter drängen dabei auf eine Ausnahme, damit Plug-in-Hybride und/oder Elektroautos mit Reichweitenverlängerer auch nach 2035 weiter verkauft werden dürfen. Dem stehen allerdings Gegenpositionen gegenüber – sowohl aus Ländern mit großer Autoindustrie wie Frankreich und Spanien als auch von Organisationen wie Transport & Environment (T&E), die vor Risiken dieser Antriebskonzepte warnen.

T&E argumentiert, dass EREV nicht frei von denselben Problemen seien wie Plug-in-Hybride. Studien zeigten, dass Plug-in-Hybride im „realen Betrieb“ bis zu 8,5-mal mehr CO2-Emissionen verursachen können. Als Grund wird genannt, dass sie nicht so häufig geladen werden wie vorgesehen und sich deshalb beim Fahren deutlich stärker auf den Verbrennungsmotor stützen.

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