Zwei Gründer haben daraus ein Geschäftsmodell gemacht.
In Frankreich hat ein Gründerduo eine Marke etabliert, die sich konsequent um strukturierte Haare dreht: Locken, Korkenzieherlocken, krauses und stark gelocktes Haar. Was als sehr konkretes Problem aus dem Alltag startete, hat sich inzwischen zu einer Bewegung entwickelt, die natürliche Haarstrukturen sichtbarer macht und das Selbstbewusstsein stärkt.
Vom persönlichen Problem zur Geschäftsidee rund um strukturierte Haare
Über lange Zeit setzte die westliche Beauty-Branche vor allem glattes Haar als Norm. Wer Afro-, Locken- oder Kraushaar hat, fand in Drogerien häufig höchstens Produkte zum Glätten oder schwere Stylingcremes, die die Haare eher beschweren als sinnvoll pflegen. Allein in Frankreich betrifft das etwa ein Fünftel der Bevölkerung – also Millionen Menschen, deren Bedürfnisse im Regal praktisch nicht vorkamen.
Genau hier knüpfte die Unternehmerin Rebecca Cathline an. Mit familiären Wurzeln in Guadeloupe und der Elfenbeinküste kannte sie die typischen Herausforderungen bei der Pflege strukturierter Haare aus eigener Erfahrung: ungeeignete Produkte, Frust im Badezimmer und die oft stundenlange Suche nach Friseurinnen und Friseuren, die sich mit Afrohaar wirklich auskennen.
Rebecca Cathline und Didier Derozin: zuerst App statt Shampoo-Regal
Zusammen mit ihrem Mitgründer Didier Derozin ging sie 2015 nicht direkt mit einem Produktsortiment an den Start, sondern mit einem Service. Die beiden entwickelten eine App, über die Kundinnen und Kunden spezialisierte Friseurinnen buchen konnten, die nach Hause kommen und strukturierte Haare fachgerecht behandeln. Die Überlegung dahinter: Wer lange übersehen wurde, braucht zunächst Zugang zu Know-how – nicht nur ein weiteres Shampoo im Regal.
Aus einem übersehenen Beauty-Segment wurde Schritt für Schritt ein eigener, schnell wachsender Markt.
Von der Haar-App zur Marke für Nahrungsergänzung und Pflege
Mit der Zeit wurde deutlich, wie gross der Bedarf an Fachleuten für strukturierte Haare tatsächlich ist. Gleichzeitig wuchs bei vielen Kundinnen der Wunsch, die eigene Routine zu Hause zu verbessern – mit Produkten, die zur Haarstruktur passen und nicht nur gut klingende Versprechen auf die Verpackung drucken.
Den entscheidenden Impuls brachte 2020 der Corona-Lockdown. Salons blieben geschlossen, Termine fielen aus. Viele Menschen verbrachten mehr Zeit im Bad, testeten Abläufe, lasen Inhaltsstoffe und informierten sich online über Haarwachstum, Haarausfall und Kopfhautgesundheit. In genau dieser Phase beschlossen Rebecca und Didier, ihre Pflegemarke auf den Markt zu bringen.
Marktstart mitten im Corona-Lockdown
Von Beginn an setzte die Marke auf zwei Kernziele: Haarbruch verringern und Wachstum stimulieren. Anstelle auffälliger, bunter Marketingwelten stand ein klares Leistungsversprechen im Mittelpunkt: natürliche Inhaltsstoffe, vegane Rezeptur, keine Tierversuche, Produktion in Frankreich. Für die Entwicklung arbeitete das Duo mit einem spezialisierten Kosmetiklabor zusammen, prüfte unterschiedliche Formeln und feilte so lange, bis Wirkung und Verträglichkeit stimmten.
Auffällig ist zudem: Neben klassischen Pflegeprodukten spielt Nahrungsergänzung für das Haar eine grosse Rolle. Kapseln und Kurprogramme sollen die Haarwurzel von innen unterstützen und damit die Haarqualität dauerhaft verbessern. Gerade für Kundinnen, die nach Schwangerschaften, Krankheit oder starkem Stress mit Haarausfall zu kämpfen haben, wurde dieses Thema schnell sehr sensibel und emotional.
Haarwuchsprodukte werden hier nicht nur als Beauty-Tool verkauft, sondern als Möglichkeit, ein Stück Selbstwertgefühl zurückzugewinnen.
Warum sich viele Frauen mit der Marke für Locken und Afrohaar wiederfinden
Die Rückmeldungen fielen schneller aus, als die Gründer anfangs erwartet hatten. Die Community wuchs, weil viele Frauen sich in Bildsprache und Texten erstmals repräsentiert fühlten. Statt glatter Werbemodels zeigte die Marke echte Locken, Afrofrisuren, Übergangsphasen nach dem Glätten und sichtbare Kanten – also genau das, was in vielen Kampagnen zuvor bewusst ausgeblendet wurde.
Die Gründerin orientierte sich stark an den Erfahrungen der Nutzerinnen. Fragen aus der Community wurden zur Grundlage für neue Produktansätze: Welche Herausforderungen tauchen immer wieder auf? Bricht das Haar eher an den Spitzen, an den Ansätzen oder nach dem Glätten? Wie reagiert die Kopfhaut auf Schutzfrisuren wie Braids oder Twists? Und an welcher Stelle hakt die tägliche Routine?
- Haarbruch bei stark texturiertem Haar
- Haarausfall nach Schwangerschaft oder Stress
- Unverträglichkeit aggressiver Inhaltsstoffe
- Mangel an spezialisierten Friseuren in vielen Regionen
Aus diesem Feedback entstanden Produkte, die gezielt auf konkrete Lagen ausgerichtet sind: unterstützende Kuren zur Stärkung der Haarwurzel, Pflege für trockene Längen sowie leichter formulierte Öle, die Locken definieren, ohne sie zu beschweren.
Erfolg in Handel und Fachwelt
Dieser Ansatz blieb in Frankreich nicht ohne Wirkung. Die Gründerin erhielt digitale und Beauty-Auszeichnungen, die sonst häufig eher an grosse Konzerne gehen. Gleichzeitig wurde die Marke in bekannte Handelsketten aufgenommen und ist zudem in Naturkosmetikläden, Online-Boxen, Apotheken sowie in Friseursalons vertreten. Dadurch rückten strukturierte Haare stärker in den Mainstream und wurden nicht länger nur als Nischenthema behandelt.
Die nächsten Schritte sind klar umrissen: eine flächendeckende Präsenz im ganzen Land, mehr Verantwortung im Bereich Aufklärung und auf längere Sicht eine internationale Expansion. Für die Gründer steht fest: Überall dort, wo Menschen mit Locken und Afrohaar bislang zwischen Standardprodukten suchen müssen, gibt es Platz für spezialisierte Lösungen.
Warum strukturierte Haare besondere Pflege brauchen
Wer glattes Haar hat, unterschätzt oft, wie anders Locken und Afrohaare reagieren. Durch die Form wird die Schuppenschicht ungleich beansprucht; die Längen trocknen schneller aus, während die Kopfhaut häufig zusätzlich belastet wird – etwa durch eng geflochtene Frisuren oder chemische Glättungen. Standardprodukte, die auf schnelles Entfetten und „Silikonglanz“ abzielen, verschlimmern das Problem nicht selten.
Hier setzt zeitgemässe Pflege für strukturierte Haare an:
- mildere Tenside, damit die Kopfhaut nicht austrocknet
- feuchtigkeitsspendende Inhaltsstoffe wie Aloe Vera oder pflanzliche Öle
- Formeln ohne schwere Filmbildner, damit Locken nicht „platt“ wirken
- Nahrungsergänzung mit Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen, die das Haarwachstum unterstützen können
Bei dieser Marke ist die Verbindung aus äusserer Pflege und innerer Unterstützung zentral. Der Ansatz dahinter: Wer wiederkehrenden Haarbruch wirklich reduzieren möchte, muss sowohl an der Haarwurzel als auch an der Alltagspraxis ansetzen – also bei Ernährung, Stress, Schutzfrisuren und den passenden Produkten.
Was Kundinnen vor dem Kauf beachten sollten
Bevor man zu Kapseln oder Spezialpflege greift, hilft ein realistischer Check der eigenen Routine. Häufige Auslöser für Schäden bei strukturiertem Haar sind aggressive Glättungen, dauerhaftes Hitzestyling ohne Schutz, zu straffe Zöpfe oder Produkte mit hohem Alkoholanteil. Kein Nahrungsergänzungsmittel kann solche Faktoren vollständig kompensieren.
Sinnvoll ist ein Vorgehen in Schritten:
- Haarstruktur realistisch einordnen (lockig, kraus, fein, dicht)
- bestehende Produkte überprüfen und sehr aggressive Formeln ersetzen
- Schutzfrisuren lockerer flechten und bewusste Pausen einplanen
- erst danach gezielt Spezialprodukte oder Kuren ergänzen
Wer Nahrungsergänzung nutzen möchte, sollte auf transparente Angaben zu den Inhaltsstoffen achten und im Zweifel mit einer Ärztin oder einem Arzt sprechen – insbesondere bei Vorerkrankungen oder während Schwangerschaft und Stillzeit.
Mehr als nur Kosmetik: Haarpflege als Teil von Identität
Die Geschichte dieser Marke macht auch sichtbar, wie eng Haarpflege mit Identität, Zugehörigkeit und gesellschaftlichen Normen verknüpft ist. Für viele Frauen und Männer mit texturierten Haaren ist sichtbarer Haarverlust weit mehr als ein reines Stylingthema. Es betrifft das Selbstbild, den professionellen Auftritt und kulturelle Codes.
Indem Gründerinnen wie Rebecca Cathline gezielt Produkte für diesen Bereich entwickeln und ihre Kundschaft sichtbar machen, verschiebt sich zugleich der Blick auf Schönheit insgesamt. Locken, Afrofrisuren und Übergangsphasen nach dem chemischen Glätten werden nicht mehr als „Sonderfall“ behandelt, sondern als selbstverständlicher Teil von Haarvielfalt.
Wenn Produkte, Beratung und Sichtbarkeit endlich zusammenpassen, verändert sich nicht nur das Haar – sondern oft auch das Selbstbewusstsein, mit dem Menschen ihren Alltag leben.
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